Tuesday, September 25, 2007

Auch Gusenbauer

vor den Vorhang

15 comments:

Anonymous said...

ohne überheblich sein zu wollen meine ich, dass wieder wieder einmal bestätigt wurde, dass wir Österreicher letzten Endes doch eine Leitnation im Hinblick auf das Setzten von Wertestandards sind. Der Reifegrad unserer Demokratie macht uns prädestiniert dafür, die Deichsel des Wagens der Nationen in die richtige Richtung zu lenken. Dafür braucht es nicht viel Energie, aber viel Gespür und eben Rückgrad.

Anonymous said...

Korrektur:
Der Reifegrad unserer Demokratie macht uns prädestiniert dafür, gemeinsam mit anderen ebenso reifen Demokratien, die Deichsel des Wagens der Nationen in die richtige Richtung zu lenken.

auch anonymous said...

@anonymous: Ich hoffe das ist ironisch bis sarkastisch gemeint.

Bitte nicht schon wieder in irgendeine Großmannssucht verfallen, nur weil sich Gusenbauer getraut hat, sicher erst nachdem er gewußt hat, dass Frau Merkel es auch tun wird, den Dalai Lama zu empfangen, und damit China vor den Kopf zu stossen.

Wenn Gussenbauer, oder Österreich in irgendwas Vorreier sein will, gar Werte für alle anderen Nationen vorgeben will, warum dann nicht dabei, z.B.:keinen Überwachungsstaat einzuführen? Oder bei Einführung einer Bürgerdemokratie und einer Grundsicherung?

Anonymous said...

@auch anonymous
man kann natürlich auch Gutes mit Schlechtem negativ rückkoppeln...
mehr Gutes wird es aber damit nicht geben...

florian said...

Gegen einen Protest aus China zu handeln ist ja von Österreich aus nicht schwer. Interessanter wäre, wie Gusi wohl reagiert hätte wenn Deutschland oder gleich die EU gegen das Treffen protestiert hätten. Gleiches gilt für Frau Merkel. Was sie wohl gemacht hätte, wenn Bush und Blair ihr von dem Besuch des Dalai Lamas abgeraten hätten?

zeilinger said...

Also Leutchen, seid mir nicht böse, im Zeitalter der Globalisierung ist es unwichtig, ob China 9 Flugstunden weg ist oder nur eine.

Wenn's so einfach wäre: Warum gibt es denn durchaus PolitikerInnen, die nicht den Mut haben, den Dalai Lama zu empfangen? Auch bei uns in Österreich?

Ich bin jedenfalls sehr froh, dass es auch PolitikerInnen gibt, die sich das trauen.

florian said...

Wer hat denn in Österreich seinen Besuch abgelehnt?

Andreas said...

@ zeilinger

Ich bin auch froh darüber. Endlich mal jemand der sich traut eine klare Position einzunehmen. Dass einige versuchen werden, dies wieder klein zu reden, soll niemanden irritieren - denn darin sind wir Österreicher ja Weltmeister. Ich jedenfalls freue mich dass eine Persönlichkeit wie Dalai Lama in Österreich von offizieller Stelle eingeladen wird, Dialog zu halten, ob es jetzt den Herren aus China nun Recht ist oder nicht. Es gibt nämlich auch genügend informierte und gebildete Leute, welche die Haltung Chinas in den Fünfzigerjahren sehr wohl kritische be- bzw. verurteilen.

peter said...

Ich glaube auch nicht, dass deshalb 1 Milliarde Chinesen das Gesicht verlieren...

Taiji Scholar said...

Zum Thema "Setzen von Wertestandards und der Reifegrad unserer Demokratie". Ich kann mich erinnern, daß vor ein paar Jahren beim Salzburg-Besuch des chinesischen Ministerpräsident Zhu Rongji, die angemeldete Demonstration von Falun Gong-Mitgliedern derart abgeschirmt wurde (Busse, Polizisten), daß diese völlig unterging. Salzburger Unternehmen und natürlich die ganze Tourismusindustrie machen viele Millionen mit chinesischen Unternehmen und Touristen. Ich will mich an dieser Stelle nicht über Falun-Gong auslassen, denn das haben andere schon oft genug getan.

Jeder aber weiß (oder sollte wissen), daß das Tibetische Volk ohne die Gastfreundschaft von Indien heute weiß Gott wo wäre (auch wenn diese Freundschaft nicht ungetrübt ist; an Orten wie McLeod Gunj und speziell Manali)! Wo waren und wo sind sie die großen Demokratie-Nationen?

Demokratie ist nun wirklich eine dünne Eisdecke über dem See der globalen Wirtschaftsinteressen.

Lang lebe S.H. der Dalai Lama!
Sebastian aus Salzburg.

peter said...

@sebastian

Ja, ich bin froh darüber, dass Salzburg mit China gute Geschäfte macht. Das schafft Wohlstand auf beiden Seiten. Die unreflektierte Kapitalismuskritik ist emotional vielleicht aber nicht rational nachzuvollziehen. Nicht die Wirtschaftsform an sich, sondern die krankhaften (extremen)Ausformungen sind das Problem bzw. jene Menschen, die diese krankhaften Ausformungen mittragen.
Es gibt keine Alternativen zum Kapitalismus mit menschlichem Antlitz. Der Austausch von Waren und Information ist ein wertschaffender Prozess. Die Frage nach der gerechten Verteilung muss man sich aber laufend stellen. Armut für alle kann jedenfalls nicht das Ziel sein.

Ja und ich bin froh darüber, dass es bei uns Politiker mit Rückgrad gibt (siehe nachfolgender Text des 2. Landtagspräsidenten von Salzburg)


"China ist natürlich für Salzburg ein immer wichtigerer Wirtschaftspartner. Das hat aber führende Salzburger Politiker nie davon abgehalten, Probleme aufzuzeigen und auf Unrecht hinzuweisen.", verweist Neureiter auf die Festspieleröffnungsreden des Dalai Lama und von LH Dr. Hans Katschthaler 1992. "Auch Landtagspräsident Georg Griessner hat sich nie gescheut, das heikle Thema Menschenrechte anzusprechen, etwa beim Besuch des kubanischen Botschafters im Landtag 2003. Es gehört zu unserer Aufgabe als Parlamentarier, Themen wie Demokratie, Menschen-rechte und Rechte von Völkern und Volksgruppen anzusprechen, auch wenn es heikel und unan-genehm ist. Dazu sind wir gewählt und das sind wir den Menschen schuldig.", ist Neureiter auch für die Zukunft überzeugt.

Nach Ende der letzten chinesischen Kaiserdynastie hatte Tibet 1912 seine Unabhängigkeit vom nord-östlichen Nachbarn erklärt. 1950 wurde Tibet vom kommunistischen Regime in Peking gewaltsam in den chinesischen Staatsverband eingegliedert. Die tibetische Unabhängigkeit war bis dorthin international nicht anerkannt worden. Nach einem blutig niedergeschlagenen Volksaufstand 1959, bei dem zigtausende Menschen getötet wurden, ging das geistige und weltliche Oberhaupt Tibets, der Dalai Lama, ins indische Exil, von wo aus er seither mit friedlichen Mitteln für die Wiedererlangung der Autonomie Tibets kämpft. Die chinesische Regierung hat in den vergangenen Jahrzehnten versucht, die traditionellen kulturellen und religiösen Strukturen der tibetischen Gesellschaft zu vernichten. Von den ursprünglich 2700 Klöstern des vom buddhistischen Glauben geprägten Staatswesens sind heute lediglich 10 erhalten. Die Menschenrechte der tibetischen Bevölke-rung werden durch die chinesische Verwaltung mit Gewalt, Folter und Tod unterdrückt.

man sollte also nicht reflexartig auf alle Politiker und Wirtschaftstreibenden hinhauen, und aus Einzelerlebnissen eine Pauschalverurteilung vornehmen. Zu Recht sollten aber immer die ethischen Standards aufgezeigt und eingefordert werden.

peter said...

Lang lebe in Würde jeder Mensch!

Anonymous said...

"Menschenwürde"

Ein gemeinsamer Nenner für die ganze Welt?

http://de.wikipedia.org/wiki/Menschenw%C3%BCrde

Taiji Scholar said...

@Peter

Ich tu mir ehrlich gesagt etwas schwer, deinen Kommentar zu verstehen. Ich bin kein Wirtschaftsphilosoph, und "Kapitalismus mit menschlichen Antlitz" hört sich sicherlich sehr gut an. Ob es Alternativen gibt, kann ich nicht beurteilen, denkbar ist eine Alternative aber immer. Das ich auf Grund Einzelerlebnisse reflexartig auf Politiker und Wirtschaftstreibende hinhaue muß ich entschieden zurück weisen. Tatsache ist, dass die Politik, unter dem Einfluß der Wirtschaft steht, was man auch rezent an der Aussage der USA zur globalen Klimasituation (Nachfolgeprotokoll von Kyoto) sehen konnte. Bush, der selbst nicht an der Konferenz teilnahm sagte zum Thema Klimaschutz etwa folgendes "Maßnahmen, ohne den wirtschaftlichen Fortschritt der Länder zu gefährden". Soll heißen, ohne Einverständnis der großen Industrien geht gar nichts, und die werden bekanntlich von Managern geleitet, die am Ende des Quartals ein dickes Plus den Aktienhaltern vorzeigen wollen, koste es was es wolle.

Du hast sehr schön die geschichtlich/politische Entwicklung in Tibet umschrieben, ich kann aber nicht erkennen, daß sich unsere großen Demokratienationen allzusehr verdinent gemacht haben. In Hinblick auf meine, von Dir unterstellte Pauschalisierung, muß ich die Frage wiederholen: Wo wäre die Tibetische Kultur heute, ohne die Unterstützung, die der Dalai Lama und das Tibetische Volk von der damaligen indischen Regierung erfahren hat??

Natürlich wünsche auch ich mir ein Leben in Würde für jeden Menschen und jedes Lebewesen auf und mit dem Planeten Erde.

peter said...

@ Taiji Scholar

Entschuldigung wenn ich falsch interpretiert habe. Bin auf Alles was in Richtung oberflächlicher undifferenzierter Systemkritik gehen könnte extrem sensibilisiert weil uns das nicht weiterbringt.

Ja, der Standpunkt der Entscheidungsträger Amerikas bezüglich Kyoto ist in der Tat verantwortungslos. Dabei sollte ja gerade das Kyotoprotokoll die "wirtschaftlichen Nachteile des Klimaschutzes" über die Welt gleich verteilen, damit keiner einen Wettbewerbsvor/nachteil hat.

Die Rückkoppelungsschleife der Verantwortungsträger im Hinblick auf ihre Fehlentscheidung ist zeitlich leider zu lange.

In Investitionsrechenverfahren gibt es zur Bewertung das System der Abzinsung(discounted cash flow)
Man müsste den heutigen Barwert des zukünftigen Schadens ermitteln (discounted damages) und die heutigen Entscheidungsträger dafür auch HEUTE zur Verantwortung ziehen.
Positive Entscheidungen aber auch analog belohnen.
Das wird mit Sicherheit kommen, die Frage ist nur, ob rechtzeitig.

Die Beschreibung der Entwicklung Tibets stammt noch vom 2. Landtagspräsidenten Neureiter.

@Wo wäre die Tibetische Kultur heute, ohne die Unterstützung, die der Dalai Lama und das Tibetische Volk von der damaligen indischen Regierung erfahren hat??

Ich weiß es nicht.

ansonsten: nix für ungut.